Projekthintergrund

Als Verband binationaler Familien und Partnerschaften realisierten wir nach jahrelanger rechtlicher und psychosozialer Paarberatung ein mehrjähriges Projekt zu interkultureller Vaterschaft. Durch diese Erfahrungen konnten wir folgendes feststellen: Werden Väter als Muslime wahrgenommen, so geschieht dies oft über das stereotype Bild vom patriarchalen Familienoberhaupt. Muslimische Väter werden nur selten als liebevolle, verantwortungsbewusste und um das Wohl ihrer Familienangehörigen besorgte Personen verstanden. Die Folge ist, dass Fachkräfte aus dem sozialen und dem Bildungssektor sie eher als Bedrohung denn als fürsorglichen Elternteil sehen und dies selbst in juristische Bewertungen einfließt. Für muslimische Väter resultieren daraus diskriminierende Entscheidungen, die weitreichende Folgen für das Familienleben haben. An dieser Stelle sollte das Projekt „Vaterzeit im Ramadan?!“ ansetzen.

Die jüngeren Migrationsdiskurse in Deutschland haben die problematisierende Zuschreibung des patriarchalen Tyrannen durch das Bild des gefährlichen Terroristen und des sexuell übergriffigen muslimischen Mannes ergänzt. Die Verknüpfung von vermeintlicher ethnisch-religiöser Zugehörigkeit und rassistischen Zuschreibungen als „fremd“ und damit „gefährlich“ führt für die betroffenen und besprochenen Männer zu ständiger Diskriminierung im Privaten, in der Öffentlichkeit und auf institutioneller Ebene. In unserem Projekt fokussieren wir vor diesem Hintergrund nicht mehr ausschließlich Vaterschaft, sondern allgemeiner die hier genannten Figuren muslimischer Männlichkeit und ihre Effekte – auch, aber nicht nur – auf muslimisch markierte Väter.