ISLAMFEINDLICHKEIT UND ANTIMUSLIMISCHER RASSISMUS

Islamfeindlichkeit richtet sich gegen Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihres Namens oder Aussehens als muslimisch bzw. dem Islam zugehörig erfasst, abgewertet sowie verbal und körperlich angegriffen werden. Gerade in der jüngeren Vergangenheit nehmen negative bis hin zu feindselige Haltungen gegenüber Muslim*innen besorgniserregende Ausmaße an. So stimmen in einer Untersuchung des IKG (Institut für Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld) insgesamt 46,1 % der Befragten in Deutschland  – und damit fast jede/r zweite – der Aussage zu „es gibt zu viele Muslime in Deutschland“. Der aktuelle Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung von 2015 stellt zum Thema Muslime und Islam fest, dass sich 40 % der Deutschen „überfremdet“ fühlen. Die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (Mitte in der Krise) aus dem Jahr 2010 hat ergeben, dass 53,3 % der Westdeutschen und 75,7 % der Ostdeutschen der Aussage zustimmen: „Für Muslime in Deutschland sollte die Religionsausübung erheblich eingeschränkt werden.“ Hier zeigt sich, dass antimuslimische Ressentiments in der breiten Bevölkerung in erheblichem Maße vorhanden sind. Dies geht sogar soweit, dass  Forderungen nach einer Einschränkung des Grundrechts der Religionsfreiheit für die Gruppe der Muslim*innen in Deutschland gefordert werden.

Gegenwärtig  erleben wir in Europa erneut eine verstärkte Hinwendung zu „Kultur“ und „Religion“ als Differenzmarkierung. Während in der gesellschaftlichen Wahrnehmung lange migrantische Männer und Väter als „fremd“ galten, haben verschiedene Faktoren und Ereignisse inzwischen dazu geführt, dass der Diskurs um den “fremden Mann“ vor allem auf den muslimischen Mann und Vater ausgerichtet ist. Befördert wurde diese Entwicklung unter anderem durch den globalen „War on Terror“ nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001. Dadurch erfolgt auch in der innenpolitischen Debatte um den Islam eine Einengung des Blicks auf Muslim*innen als potenzielles Sicherheitsproblem. Gerade junge muslimische Männer werden oft nur mit Gewalt und Kriminalität in Zusammenhang gebracht.

“Der” Islam und “die” Muslime erfahren in der gesellschaftlichen Wahrnehmung sehr verallgemeinernde, negativ aufgeladene Zuschreibungen. Sie werden fortwährend mit undifferenzierten und pauschalen Unterstellungen konfrontiert und unter Generalverdacht gestellt. Sie sind permanent dazu aufgefordert, sich zu erklären oder zu distanzieren, sowohl wenn es um den Islam insgesamt geht, aber auch bei intimen und familiären Fragen. Dadurch geraten Menschen unter erheblichem Rechtfertigungsdruck, Schamgrenzen werden überschritten und sie werden pauschal als Repräsentant*innen einer homogenen Gruppe adressiert, denen von Außen rückständige Praktiken übergestülpt werden. So werden beispielsweise aus der berechtigten Kritik an patriarchalen Verhältnissen und traditionellen Männlichkeitsentwürfen allgemeingültige rassistische Zuschreibungen gegenüber muslimischen Männern und Vätern generiert – unabhängig davon, wie Menschen tatsächlich leben. Diese Vorurteilsstrukturen werden vor allem durch Medien und Politiker*innen verfestigt und finden Eingang in die Wahrnehmungsroutinen einer breiten Öffentlichkeit. Vor allem in den Medien sind muslimische Väter immer dann ein Thema, wenn es um Gewalt gegen Frauen und Mädchen geht, wie z.B. bei den Stichworten Ehrenmord, Zwangsheirat und sexuelle Übergriffe. Dabei wird mit rassistischen Stereotypen, wie dem des autoritären Patriarchen gearbeitet. Durch den extremen Fokus auf negative Themen fehlen in der öffentlichen Wahrnehmung andere Aspekte von Identität wie Partnerschaft, Familie und Vaterschaft fast gänzlich. Während eine Vielheit von Meinungen, Lebensstilen und -entwürfen ganz selbstverständlich zum Selbstbild der weißen Bevölkerungsmehrheit gehört und als zu verteidigen gilt, wird so eine Normalität Menschen mit muslimischem Bezug nicht zugestanden. Sie werden in der öffentlichen Diskussion als homogene Gruppe mit festgeschriebenen Eigenschaften betrachtet. Muslimische Väter werden unter dem Etikett der Rückständigkeit pauschal abgewertet, während die Vielfalt von gelebten Familien- und Partnerschaftsmodellen im Einzelnen kaum wahrgenommen wird.