DISKRIMINIERUNGSERFAHRUNGEN MUSLIMISCHER VÄTER

Werden Muslime tatsächlich einmal als Väter gedacht, geschieht dies oft über das stereotype Bild vom patriarchalen Familienoberhaupt, dass rigide über die Familienmitglieder wacht. Die Verknüpfung von ethnisch-religiöser Zugehörigkeit und rassistischen Zuschreibungen als „fremd“ und damit „gefährlich“ führt zu ständiger Diskriminierung im Privaten, in der Öffentlichkeit und auf institutioneller Ebene. Muslimische Väter werden nur selten als liebevolle, verantwortungsbewusste und um das Wohl ihrer Familienangehörigen besorgte Personen wahrgenommen. Die Folge ist, dass Fachkräfte aus dem sozialen und dem Bildungssektor sie eher als Bedrohung denn als fürsorglichen Elternteil sehen und dies selbst in juristische Bewertungen einfließt. So werden sie oft voreilig für Erziehungsprobleme verantwortlich gemacht und als konkrete Gefährdung (Entführungsgefahr!) wahrgenommen. Für muslimische Väter resultieren daraus diskriminierende Entscheidungen, die weitreichende Folgen für das Familienleben haben. In Konfliktfällen kann dies so weit gehen, dass ihnen die Befähigung, eine fürsorgliche Beziehung zu ihren Kindern aufbauen zu können, durch soziale Dienste und Gerichte abgesprochen wird. Das führt  im Extremfall bis hin zu einer Entziehung des Sorgerechts und der Anordnung von Begleitetem Umgang. Aber auch jenseits dieser zugespitzten Einzelfälle führt die Präsenz von muslimischen Vätern in sozialen Einrichtungen (z.B. Kindertagesstätten, Horteinrichtungen, Grundschulen) zu Irritationen und Befürchtungen beim vor allem weiblichen Personal. Halten sich die Väter aus den Einrichtungen fern, werden sie als desinteressiert bezeichnet. Treten sie in Erscheinung und zeigen Interesse, wird ihr Auftreten häufig als autoritär wahrgenommen und als typisches und unveränderliches Kennzeichen ihrer islamischen und patriarchalen Haltung abgewertet. Angesichts der öffentlichen Debatte um Migration, die sich überaus stark auf muslimische Männer fokussiert, gibt es nur geringen Spielraum, als Vater bei alltäglich erscheinenden Aktivitäten überhaupt etwas richtig zu machen.

Im Kontext der aktuellen Debatten um Einwanderung stehen gerade diese Männer und Väter im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie werden als fremd und gefährlich stigmatisiert und damit an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

In den Medien treten sie vor allem dann in Erscheinung, wenn es um Täterschaft gegenüber Frauen geht, wie z.B. Ehrenmord, Zwangsheirat, sexuelle Übergriffe. Dies führt dazu, dass aus einer Kritik an traditionellen Männlichkeitsentwürfen verallgemeinernde defizitäre Zuschreibungen werden, die sich vor allem dann auswirken, wenn sich Männer für engagierte und aktive Vaterschaft einsetzen.

Die Folge ist, dass Fachkräfte aus dem sozialen und dem Bildungssektor und dem familienpolitischen Bereich sie eher als Bedrohung denn als fürsorglichen Elternteil sehen und dies selbst in die juristische Bewertung einfließt. So werden sie oft voreilig für Erziehungsprobleme verantwortlich gemacht und als Sicherheitsproblem (Entführungsgefahr) wahrgenommen. Für die Väter resultieren daraus Benachteiligungen, wenn es darum geht, konkrete Erziehungsverantwortung zu übernehmen. In unserer Arbeit erleben wir, dass angesichts der weit verbreiteten Vorurteile andere Aspekte, wie zum Beispiel Fürsorge und Erziehungskompetenzen, nur eingeschränkt wahrgenommen werden. Kulturelle und soziale Diversität oder vielfältige Partnerschaftsmodelle und Lebensentwürfe sind in der Öffentlichkeit selten präsent und werden diesen Männern und Vätern kaum zugestanden.

Dies führt dazu, dass sie kaum mit ihren Ressourcen und Kompetenzen als liebevolle, verantwortungsbewusste und um das Wohl ihrer Familienangehörigen besorgte Männer wahrgenommen werden. Schauen wir und die Repräsentation muslimischer Männer – in ihrer Rolle als Väter – in den Medien an, wird eine doppelte Stigmatisierung sichtbar. Zu Beginn der 1990er Jahre stand der migrantische, „(kultur)fremde“ Mann und Vater im Mittelpunkt des Diskurses. Verschiedene Faktoren und Ereignisse haben in zwischen dazu geführt, dass der Diskurs um „fremde Männlichkeit“ vor allem auf den muslimischen Mann ausgerichtet ist.

So gelang die europäische Integration in Richtung einer „abendländischen Selbstvergewisserung“ vor allem durch die Abgrenzung zu religiös und kulturell „Anderen“ in Gestalt „der Muslime“ und „des Islam“. Befördert wurde diese Entwicklung durch den globalen „War on Terror“ nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 und einer verstärkten Hinwendung zu „Kultur“ und „Religion“ als Differenzmarkierung.