Vorurteilsbeladene  Bilder über den ”Islam” und die “Muslime” sind in Medien und Politik allgegenwärtig. Der „muslimische Mann“ wird darin als hypermaskuline, archaische oder gewalttätige Bedrohung problematisiert. Es entsteht der Eindruck, er sei von seiner Tradition, Kultur oder Religion (fehl-)geleitet. Die Folge davon: Vorurteile, Stigmatisierungen bis hin zu offener Ablehnung.

Wir sehen genauer hin, wie in Deutschland mit den vermeintlich “Anderen”, umgegangen wird. Ziel ist es, eine realistische gesellschaftliche Wahrnehmung der Situation von muslimischen Männern und Vätern zu fördern, ohne dabei vorhandene Konfliktfelder auszublenden. Wir mischen uns in die öffentliche Debatte zum antimuslimischen Rassismus ein und sensibilisieren Fachkräfte und Öffentlichkeit.

Wir setzen uns mit aktuellen Fragen rund um den Themenkomplex Islam, Männlichkeit und Rassismus auseinander und bieten Fortbildungen, Schulungen und Vorträge zu den Themenbereichen an. Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf geschlechtsbezogenen Zuschreibungen gegenüber muslimischen Männern und Vätern.

Schreib' doch eine Karte ?!

postkarte__1Unsere Postkarte ist fertig. Als Gesprächsanlass über Vorurteile oder aber als Gruß aus der Ferne – sie ist vielseitig verwendbar und es gibt auf der Rückseite viel Platz für inhaltliche Ergänzungen zum Thema.

In Leipzig wird die Postkarte in den nächsten Monaten an verschiedenen Orten zum Mitnehmen ausgelegt werden. Wir haben auch einen großen Stapel im Büro liegen und freuen uns über engagierte Menschen, die sie weiter verbreiten möchten.

 

 

Einladung zur Weiterbildungsreihe

Interkulturelle Kompetenz – Islamfeindlichkeit – Geschlechterbilder

Dieses Modul ist konzipiert für Fachkräfte, die sich Grundlagen interkultureller Kompetenz für die konkrete Arbeit aneignen möchten. Es eignet sich darüber hinaus, um bereits erworbene Kompetenzen aufzufrischen und den Weg für einen guten Transfer in den Arbeitsalltag vorzubereiten.

25. August 2016 | 9:00 – 16:30 Uhr
Diese Weiterbildung richtet sich an Erzieher/innen und Sozialpädagog/innen, die in Kindertagesstätten und Horteinrichtungen tätig sind.

Interkulturelle Kompetenz – Islamfeindlichkeit – Geschlechterbilder

30. August 2016 | 9:00 – 16:30 Uhr
Diese Weiterbildung richtet sich an Psychologe/innen und Sozialpädagog/innen, die in der Sozial- und Familienberatung tätig sind.

 

Interkulturelle Kompetenz – Islamfeindlichkeit – Geschlechterbilder

01. September 2016 | 9:00 – 16:30 Uhr
Diese Weiterbildung richtet sich an diejenigen, die in der Sozialen Betreuung z.B. als Sozialarbeiter/innen,  Sozialpädagog/innen oder als Fachkräfte aus vergleichbaren Berufsgruppen in Unterkünften und Gemeinschaftseinrichtungen für Geflüchtete tätig sind.

Aktuelle Situation muslimischer Väter

Heutzutage wird von Vätern erwartet, dass sie dem Idealtypus des engagierten und fürsorglichen Mannes und Vaters entsprechen. Sie sollen sich aktiv an der Kindererziehung beteiligen, auch im Haushalt Verantwortung übernehmen und so eine gerechtere Balance geschlechtlicher und familiärer Arbeitsteilung voranbringen. Dieses Bild ist stark normativ aufgeladenen und orientiert sich vor allem am mehrheitsdeutschen Mann mit guter Ausbildung in sozial abgesicherter Lebenssituation. Männliche Migranten werden in diesem Idealbild des modernen und aktiven Vaters in der Regel nicht mitgedacht. Sie werden im starken Kontrast dazu in erster Linie mit negativen Vorstellungen von Männlichkeit und Vaterschaft in Verbindung gebracht.

Dazu gehören unter anderem verallgemeinernd zugeschriebene traditionelle Wertvorstellungen, konservative Erziehungsmuster und ein rigides Ehr- und Moralsystem. Von dieser stereotypen Wahrnehmung sind in besonderer Weise diejenigen Männer und Väter betroffen, die als muslimisch bzw. dem Islam zugehörig adressiert werden. Ihnen werden unabhängig von konkreter religiöser Praxis, rassistische Stereotype wie die vom autoritären islamistischen Patriarchen übergestülpt.

In den Medien treten sie vor allem dann in Erscheinung, wenn es um Täterschaft gegenüber Frauen geht, wie z.B. Ehrenmord, Zwangsheirat, sexuelle Übergriffe. Dies führt dazu, dass aus einer Kritik an traditionellen Männlichkeitsentwürfen verallgemeinernde defizitäre Zuschreibungen werden, die sich vor allem dann auswirken, wenn sich Männer für engagierte und aktive Vaterschaft einsetzen.

Die Folge ist, dass Fachkräfte aus dem sozialen und dem Bildungssektor und dem familienpolitischen Bereich sie eher als Bedrohung denn als fürsorglichen Elternteil sehen und dies selbst in die juristische Bewertung einfließt. So werden sie oft voreilig für Erziehungsprobleme verantwortlich gemacht und als Sicherheitsproblem (Entführungsgefahr) wahrgenommen. Für die Väter resultieren daraus Benachteiligungen, wenn es darum geht, konkrete Erziehungsverantwortung zu übernehmen. In unserer Arbeit erleben wir, dass angesichts der weit verbreiteten Vorurteile andere Aspekte, wie zum Beispiel Fürsorge und Erziehungskompetenzen, nur eingeschränkt wahrgenommen werden. Kulturelle und soziale Diversität oder vielfältige Partnerschaftsmodelle und Lebensentwürfe sind in der Öffentlichkeit selten präsent und werden diesen Männern und Vätern kaum zugestanden.

Im Kontext der aktuellen Debatten um Einwanderung stehen gerade diese Männer und Väter im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie werden als fremd und gefährlich stigmatisiert und damit an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Dies führt dazu, dass sie kaum mit ihren Ressourcen und Kompetenzen als liebevolle, verantwortungsbewusste und um das Wohl ihrer Familienangehörigen besorgte Männer wahrgenommen werden. Schauen wir und die Repräsentation muslimischer Männer – in ihrer Rolle als Väter – in den Medien an, wird eine doppelte Stigmatisierung sichtbar. Zu Beginn der 1990er Jahre stand der migrantische, „(kultur)fremde“ Mann und Vater im Mittelpunkt des Diskurses. Verschiedene Faktoren und Ereignisse haben in zwischen dazu geführt, dass der Diskurs um „fremde Männlichkeit“ vor allem auf den muslimischen Mann ausgerichtet ist. So gelang die europäische Integration in Richtung einer „abendländischen Selbstvergewisserung“ vor allem durch die Abgrenzung zu religiös und kulturell „Anderen“ in Gestalt „der Muslime“ und „des Islam“. Befördert wurde diese Entwicklung durch den globalen „War on Terror“ nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 und einer verstärkten Hinwendung zu „Kultur“ und „Religion“ als Differenzmarkierung.